Hantaviren Autor: Birte Sänger, Sonntag, 09. Februar 2014

 

Die Vertreter der Nagetiere (Rodentia) stellen ein bedeutendes Reservoir für unterschiedliche Zoonoseerreger (z.B. Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten) dar. Zu den Erregern gehören auch Hantaviren, die humanpathogene Arten umfassen (Ulrich et al. 2007).


Die Hantaviren wurden nach dem koreanischen Grenzfluss, den Hantaan, zwischen Nord- und Südkorea benannt. Im asiatischen Raum kommt es zu „Hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom“ (HFRS) (Moprtalität von 10 %), wohingegen die Hantaviren in Mitteleuropa eine milde Form, die sogenannte „Nephropathia epidemica“ (NE) (Mortalität von <0,2 %) verursachen. Die Viren gehören zu der Familie der Bunyaviridae und die Vertreter zeichnen sich durch ein segmentiertes RNA-Genom aus. Dieses ist Grundlage für eine Aufspaltung in zahlreiche Virussubtypen, die jeweils durch eigene Wirte (verschiedene Nagetiere) übertragen werden. Es lassen sich zwei große Linien der Virussubtypen unterscheiden. Die Vertreter der Hantaan-Linie (z.B. HFRS) werden von echten Mäusen (Muridae), wie Hausmäuse, Ratten und Gelbhalsmäuse übertragen. Bei der Puumala-Linie (z.B. NE) fungieren in der alten Welt Wühlmausarten (Microtidae) (z.B. Rötelmaus und Schermaus) und in Amerika Sigmodontidae als Überträger der Hantaviren (Kimmig et al. 2001).


Wirte dieses Virus sind u.a. die Brandmaus (Apodemus agrarius), Rötelmaus (Myodes glareolus), Feldmaus (Microtus arvalis), Erdmaus (Microtus agrestis) und Wanderratte (Rattus norvegicus) (Zeier et al. 1986). Die Nagetiere bleiben über Monate oder sogar lebenslang infiziert. Die Tiere scheiden die Viren mit Urin und Kot aus. Menschen können sich über virushaltige Aerosole oder Staub infizieren (Kimmig et al. 2001).


In Europa und Asien sind seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Erkrankungsbilder der Hantaviren bekannt. Dazu zählen das koreanische hämorrhagische Fieber, die hämorrhagische Nephrosonephritis, die Feldnephritis und die Nephropathia epidemica (NE). Dieser Erkrankungsbilder werden heute unter dem Begriff „hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom“ (HFRS) zusammengefasst. Bei HFRS-Patienten werden Störungen der Nierenfunktion beobachtet, die bei einem schweren Krankheitsverlauf eine Dialysetherapie erfordern (Ulrich et al. 2004). Nach Zeier et al. (1986) sind Hantavirus-Infektionen vermutlich häufiger als sie diagnostiziert werden und liegen einem noch nicht genau abschätzbaren Teil der Fälle von spontan auftretendem akuten Nierenversagen zugrunde (Zeier et al. 1986).


Quellen:


  • Kimmig, P., Silva-González, R., Backe, H., Brockmann, S., Oehme, R., Ernst, E., Mackenstedt, U. (2001). Epidemiologie von Hantaviren in Baden-Württemberg. Gesundheitswesen, 63(2), 107-112.
  • Ulrich, R., Meisel, H., Schütt, M., Schmidt, J., Kunz, A., Klempa, B., Niedrig, M., Kimmig, P., Pauli, G., Krüger, D. H. & Koch, J. (2004). Verbreitung von Hantavirusinfektionen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 47(7), 661-670.
  • Ulrich, R. G., Schmidt, J., Mertens, M., Hoffmann, B., Starick, E., Groschup, M. H. & Buschmann, A. (2007). Nagetier-übertragbare Zoonose-Erreger. In: Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Hrsg.): Jahresbericht 2006. – Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Greifswald-Insel Riems, 169-170.
  • Zeier, M., Andrassy, K., Waldherr, R. & Ritz, E. (1986). Akutes Nierenversagen durch Hantavirus: Fallbeobachtung in der Bundesrepublik. DMW-Deutsche Medizinische Wochenschrift, 111(6), 207-210.
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